Heute so.

Vorstellungsgespräch gehabt. Und wenn alles läuft, wie wir uns das gedacht haben, fange ich im August an zu arbeiten. Also für Geld ;-) Der Mann bleibt dann mit dem Frühlingsmädchen zu Hause und wird hoffentlich die Fußböden genauso schön sauber halten, wie ich (die Latte liegt also nicht allzu hoch). Und nebenher noch den einen oder anderen Euro als Wiederfreischaffender verdienen. Achja, umziehen werden wir ja auch noch im Sommer. Und Kinder in neue Schulen und Kindergarten eingewöhnen. Und…puh, ganz schön viel alles.

Ein bisschen bang ist mir schon, ob ich, ob wir das alles schaffe(n). Und wie es mir wohl mit “Kindern rund um die Uhr” – also privat und beruflich – so gehen wird. Andererseits freue ich mich auch darauf wieder anzuwenden, was ich vor mittlerweile fünf Jahren so alles studiert habe. Ich könnte eine religionspädagogische Zusatzausbildung machen. Und das Waldpädagogik-Profil der Kita mit einer anderen engagierten Erzieherin ausbauen. Dinge, auf die ich Lust habe. Also sollte ich es wohl einfach mal angehen und schauen, wie es läuft, statt schon im Voraus sämtliche Bedenken hin- und her zu wälzen. (Der Blick vom Arbeitsplatz in die Landschaft ist übrigens toll: Berge, Kirchturm, Kühe. Das fiel mir heute als erstes auf, als ich dort ankam – solche Blicke sind gut zum kurzen Krafttanken zwischendurch, finde ich).

Schlafgeschnetzeltes an Traumsalat.

Das fiel mir heute früh beim ersten Kaffee ein, als ich an die vergangene Nacht dachte:

21:45 Uhr: Ich bin so müde, dass ich dringend ins Bett muss.

22:06 Uhr: Ich sinke in mein Kissen. Licht aus, Augen zu – Gedankenkarussell an. Na super. Arbeit, Umzug, Beziehungen – alles wuselt munter durcheinander durch mein müdes Hirn.

22:37 Uhr: Das Frühlingsmädchen weint im Nebenzimmer. Zum Glück bin ich noch wach. Aufstehen, rübergehen. Kind hochnehmen, streicheln, ein Lied summen. Nein, so kommt es nicht wieder zur Ruhe. Also stillen. Es nuckelt mehr, als dass es trinkt. Aber es lässt sich nach einer Weile wieder in sein Bett legen und schläft weiter. Also schleiche ich mich auch wieder ins Bett und schließe die Augen. Bald schlafe ich ein.

0:00 Uhr: Das Frühlingsmädchen schreit laut auf. Aufstehen, rübergehen. Stillen. Das Kind trinkt, als hätte es seit Tagen nichts bekommen. Nach einer Viertelstunde liege ich wieder in meinem Bett, schließe die Augen – Gedankenkarussell, siehe oben. Irgendwann schlafe ich ein.

02:21 Uhr: Der große Bruder ruft aus dem Jungszimmer. Er hat Albträume. Außerdem muss er mal auf’s Klo. Also Kind leise aus dem Bett helfen und ins Bad begleiten. Im Halbschlaf Theorien über das Verhalten von Regenwürmern im Sonnenschein hören – viel habe ich nicht dazu zu sagen, was den Sohn zu der Erkenntnis bringt: “Mama, du schläfst wohl noch.” Kind wieder ins Bett begleiten, ins eigene Bett schlüpfen, kalte Füße einwickeln, Augen zu. Bald schlafe ich ein.

03:52 Uhr: Jetzt ist wieder das Frühlingsmädchen dran. Aufstehen, rübergehen. Stillen. Kind hinlegen. Rausschleichen. Ins eigene Bett legen, Augen zu. Derweil die ganze Zeit ein Halbschlaftraum von komischen Tieren, Bettpfannen und Reisegutscheinen… Einschlafen.

06:06 Uhr: Das Frühlingsmädchen schreit. Aufstehen, rübergehen. Kind hochnehmen. Kind rülpst dreimal. Pupst zweimal – und ist wach.

Jetzt ist die große Schwester in der Schule, die großen Brüder im Kindergarten, das Frühlingsmädchen hängt müde und motzend an meiner Brust. Und ich komme mir vor, als hätte ich Nachtschicht geschoben und müsste jetzt dringend schlafen.

[noch vier Tage, drei Näche, dann ist der Mann wieder da. Dann wird's wieder einfacher]

Jetzt: Kaffee.

Wurm drin.

Es gibt so Tage, an denen läuft es irgendwie unrund. In einem selbst, mit den anderen. So ein Tag war wohl gestern: Die Kinder waren kurz nach sechs putzmunter und so standen wir bald auf und frühstückten. Der Nebel sollte sich bald lichten und der Sonne Platz machen, deshalb wollten wir an den neuen Ort fahren, ein paar Kisten hinbringen, ein paar Kartoffeln im Garten verbuddeln, spielen, Kuchen essen, es uns gut gehen lassen.

Als wir kurz vor zwölf endlich los kamen (zwei Stunden später als geplant), da waren die Jungs schon ziemlich müde. Die große Tochter war auch unzufrieden, weil. Eben einfach so. Also stiegen wir mit schlechtem Karma am neuen Ort aus, es zoffte und stritt an allen Ecken und in allen Konstellationen. Der kleine Bruder legte sich gleich nach der Ankunft heftig mit dem Laufrad lang und hielt die aufgeschürfte Hand stundenlang anklagend in die Höhe. Während der Mann den Garten umgrub, wurde ich zunehmend genervter ob der drei unzufriedenen Kinder mit so grundverschiedenen Bedürfnissen, die alle meine Unterstützung benötigten: Die große Tochter wollte mit mir ins Dorf laufen – aber nicht mit den Brüdern! Der kleine Bruder wollte kuscheln – er war müde und ertrug keins seiner Geschwister in seiner Nähe. Der große Bruder wollte im Bach waten, ihm fiel eine Socke hinein und schwamm davon – begleitet vom lauten Gebrüll des Besitzers. Einzig das Frühlingsmädchen war glücklich, solange es durch’s hohe Gras krabbeln konnte und ließ sich dabei auch nicht von Brennnesseln und Disteln aufhalten – nur Kinderwagen ging gar nicht, womit alle Aktivitäten mit den großen Geschwistern nicht machbar waren.

Alles irgendwie verknotet und wenn wir versuchten, den Knoten an einem Ende aufzuknibbeln, zog er sich an einem anderen noch fester. Als dann auch noch der Mann und ich uns die Haare kriegten, packten wir kurzerhand unseren Kram zusammen, die zeternden Kinder ins Auto und machten uns wieder auf den Heimweg. Am Ortsausgang waren der kleine Bruder und das Frühlingsmädchen eingeschlafen. Die beiden Großen lasen und schauten raus. Ruhe war eingekehrt – in uns und zwischen uns.

Als die beiden Kleinen eine halbe Stunde später aufwachten, machten wir Rast am Waldrand, packten unseren Kuchen aus, legten uns auf die Picknickdecke und es dauerte nicht lange, da waren die drei großen Geschwister mit Steinesammeln, Käfer beobachten und Kiefernzapfenwerfen beschäftigt. Das Frühlingsmädchen spielte mit Kuchenkrümeln und Teetassen. Und alles war wieder gut.

Manchmal hilft wirklich nur ein klarer Schnitt, um aus solchen unguten Situationen herauszukommen, auch wenn das den Tagesplan komplett über den Haufen wirft.

 

Piep.

Von diesem Phänomen habe ich schon bei vielen Bloggern gelesen: Wenn es im “echten” Leben besonders hoch hergeht, bleibt es im Blog eher ruhig.

Hier ist gerade viel in Bewegung – im Innen und Außen. Vieles muss bedacht werden, Wege entstehen beim Gehen, wo vorher nur Dickicht zu sehen war. Alles fügt sich. Alles wird gut, auch wenn ich angesichts dessen, was da vor uns liegt, manchmal ganz weiche Knie bekomme.

Und inmitten dieser Umwälzungen werden die ersten Umzugskisten gepackt und an den neuen Ort gebracht (ein Zimmer und eine Scheune dürfen wir schon zum Unterstellen nutzen). Wir planen den Garten, denken über Regenwassernutzung nach, reden über Vernetzung mit anderen Landmenschen und der Mann knüpft fleißig Kontakte. Nebenher probiere ich zum ersten Mal Soda im Geschirrspüler aus und kaufe Seife, um unser eigenes Waschmittel herzustellen.

Kleine und große Schritte.

Unser Weg.

Wo Schwalben nisten, wohnt das Glück.

Am neuen Ort:

  • Garten umgegraben
  • Johannisbeeren und Stachelbeeren gepflanzt
  • Knoblauch gesteckt
  • Umgebung erkundet
  • Katzen und Hund gestreichelt
  • Ziegen und Pferde bewundert
  • gespielt
  • Kuchen gegessen
  • über die ersten Schwalben gefreut, die in den Ställen ein- und ausflogen
  • Nachbarn kennengelernt
  • im Bach gewatet

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