Druck.

Wenn ich vor etwas Angst habe und jemand sagt zu mir: “Das machst Du jetzt. Man muss Ängste auch mal überwinden.”, dann lähmt mich das so sehr, dass gar nichts mehr geht.

Auch wenn dieser jemand eigentlich Recht hat.

Nadel im Heuhaufen.

Wenn man auf Haussuche ist, fährt man mit sehr offenen Augen durch die Gegend. Könnte es uns hier gefallen? Gibt es einen Bahnhof/Kindergarten/Schule etc.pp.? Gibt es Häuser, die zum Verkauf stehen oder einen unbewohnten Eindruck machen?

Manchmal fährt man auch los und schaut sich gezielt inserierte Häuser an, bevor man überhaupt den Makler kontaktiert. Denn das meiste ist sowieso ein Schuss in den Ofen: Verkehrsgünstig gelegen? Hier führt die Hauptverkehrsstraße direkt durch’s Wohnzimmer. Ruhig und naturnah? Im Umkreis von zehn Kilometern wohnt kein Schwein und erschlossen ist das ganze auch noch nicht. Schnäppchenangebot? Das Haus hat Macken, die einem aber keiner mitteilen will (vielleicht flüchten die Eigentümer auch vor dem geplanten Autobahnneubau vor der Haustür).

Die meisten Häuser entsprechen nicht den eigenen Vorstellungen oder wenn sie es annähernd tun, dann liegen sie so ungünstig oder sind so teuer, dass sie für uns nicht infrage kommen. Oder man sieht Orte, die man sich gut als Wohnsitz vorstellen könnte – aber das geht dann so vielen Leuten so, dass es keine Angebote gibt.

Aber gut. Es macht auch irgendwie Spaß, dieses Suchen. Es ist immer wieder spannend, auf solchen Touren von einem Objekt zum nächsten zu fahren. Wird es vielleicht dieses sein? Oder das im nächsten Ort?

Es bleibt spannend.

Schnorchel.

Der Mittlere ist morgens noch ein bisschen zum Kuscheln zu uns gekommen. Er liegt zwischen dem Besten und mir und ich genieße diese Minuten vor dem Aufstehen. Mein Gesicht habe ich ein bisschen im Haar des Kindes vergraben, ich mag diesen warmen Duft. Dem Mittleren gefällt das gar nicht. Er schiebt mein Gesicht weg und meint energisch: “Mama! Du sollst mir nicht auf den Kopf schnorcheln!”

Zugluft.

Heute nacht war es sehr windig bei minus zehn Grad. Die Beschläge der Fenster waren von innen (!) mit Eis bedeckt, so sehr zog es durch die Ritzen. Die Fenster sind keine fünf Jahre alt.

Dieses Haus ist ein einziger Schrotthaufen.

Schreck.

Ich komme mit den beiden Jungs vom Spazierengehen heim. Es sind -10 Grad und mir ist schon ziemlich kalt. Der Lütte hängt auch schon etwas unglücklich in seinem Wagen und muss aufgetaut werden. Aber der Mittlere, der will noch Schneefegen. Also gut, das haben wir ja schon öfter gemacht: Ich gehe mit dem Lütten hoch, bereite das Mittagessen vor und rufe dann den Mittleren. Zwischendurch schaue ich immer mal wieder aus dem Fenster nach dem rechten.

Ich schaue drei, viermal – alles in Ordnung. Als ich den Mittleren dann zum Essen rufen will, ist er weg. Ich schaue aus allen Fenstern nach allen Seiten. Nichts. Ich rufe laut. Nichts.

Langsam werde ich unruhig.

Ich setze den Lütten mit Spielsachen in sein Bett und gehe nach draußen. Nichts.

In mir wachsen Schreckensbilder.

Ich renne hoch, ziehe den Lütten in Windeseile an, werfe mir selbst eine Jacke über und bin gerade dabei, mir die Schuhe anzuziehen, da höre ich von draußen: “Maaamaaa! Ich hab von Frau Nachbarin was geschenkt bekommen!” Vor der Tür steht ein strahlendes Kind mit einem Schokoweihnachtsbeutel im Arm.

Plumps. Ein Stein.

Und dann muss ich mal mit der Nachbarin reden, dass sie Bescheid sagen soll, wenn sie die Kinder mit auf ihren Hof nimmt.

Spiegel.

Irgendwann in den letzten Tagen stand ich abends mit dem Besten im Bad. Das kommt sehr selten vor, weil wir meistens zu unterschiedlichen Zeiten schlafen gehen. Aber diesen Abend hatten wir erzählend miteinander verbracht und führten unser Gespräch also auch im Bad fort.

Es war ein leichtes, heiteres Reden. Die Worte flogen hin und her, wurden zu Wortspielen, Andeutungen und Metaphern.

Ich weiß nicht mehr genau, welche Frage ich dem Besten stellte. Er ließ jedenfalls plötzlich die Schultern hängen, machte ein tieftrauriges Gesicht und sagte “Ach, ich weiß nicht. Ist doch eh alles egal. Alles Mist.” (alles aber ironisch überzeichnet).

Zuerst lachte ich. Aber dann blickte ich plötzlich in einen Spiegel:  So wirke ich in meinen depressiven Phasen, dachte ich voller Schrecken. Meine Gesten, meine Haltung, meine Worte.

Vielleicht sollte ich öfter mal die Außenperspektive einnehmen, wenn ich wieder ins Tal rutsche und um mich selbst zu kreisen beginne.

Aschenputtel.

“Maaamaaaa, komm’ mal! Ich hab’ alles ausgekippt!”

Der Boden des Jungszimmers ist versteckt unter einer bunten Mischung aus Unmengen von Duplosteinen, Eisenbahnschienen, Holzklötzen, Pixibüchern, kleinen Autos und sonstigem Kram, den der Mittlere finden konnte.

Also dann – sortieren. Wie war das gleich:  “Die guten ins Töpfchen, …”

Zum Ball darf ich hinterher bestimmt trotzdem nicht gehen.

Welcome home.

Der Beste ist heimgekehrt.

Die Kinder waren aufgeregt, als wenn sie auf den Weihnachtsmann warteten. Die Große malte ein Willkommensschild, der Mittlere sprang dem Papa schon auf der Treppe in die Arme. Und der Lütte lief ihm drei Schritte entgegen und brachte so den Papa gleich zum Staunen.

Und ich beobachtete das alles freudestrahlend und wartete geduldig ab, bis mein Mann sich zu mir durchgekämpft hatte.

Der erste Kuss ist immer am schönsten.

Suppe.

Das Dorf ist weg. Kein einziges Haus mehr da. Ganz allein auf der Welt?

EDIT: Die Sonne hat’s geschafft! Das Dorf ist wieder da und wir sind gerade Kinderwagen (ich) und Müllauto (der Mittlere) schiebend durch die Gassen gelaufen.

Passend zu den Sonnenstrahlen: Ein laufendes Kleinkind!