Von guten Mächten.

Ein Text, der mich zum Jahreswechsel immer wieder besonders berührt. Vertrauen auch (oder gerade?) inmitten größten Leidens, das ist es, was diese Worte für mich bedeuten.

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

(Dietrich Bonhoeffer; 1944)

Ihnen allen da draußen ein gesegnetes Neues Jahr, getragen von Vertrauen und Zuversicht!

Dezember.

Sich umzudrehn, ein letzter Aufenthalt.

Der Weg, das Dorf, Minuten, die Epochen.

Nun wird es spät und klar und kalt.

Die Linden klappern laut mit ihren Knochen.

Der Wind dreht weg und wieder fällt kein Schnee,

Und schon beginnt die Ferne neu zu flimmern.

Ein harter Strich durchs Land ist die Allee.

Die Menschen sitzen in den guten Zimmern.

Zwölf Monde sind verbraucht, das Jahr ist leer,

Von Sommern fern, so fern von Paradiesen.

Der Abend kommt, das Land steigt in das Meer,

Und Sterne stürzen in die Wiesen.

(H. E. Wenzel; von der CD: Traurig in Sevilla)

Alter Schwede.

Was macht man, wenn man mal zusammen viel Zeit hat? Man erledigt Dinge, zu denen man sonst nicht kommt. Wir schnappen uns also unsere lange Liste und machen uns auf den Weg zum Möbelschweden. Und wie wir das so mit vielen, vielen anderen Menschen durch die Gänge schlendern, schon einige Kleinig- und Großigkeiten in Beutel und Wagen, ertönt plötzlich eine Lautsprecherdurchsage: “Aus technischen Gründen müssen wir unser Einrichtungshaus schließen. Wir bitten alle Kunden, das Gebäude umgehend zu verlassen. Bitte holen Sie Ihre Kinder im Smaland ab!”

Aha. Bombendrohung, ist mein erster Gedanke. Eine Nachfrage bei einem Mitarbeiter, der die Menschenmassen Richtung Ausgang lotsen soll, ergibt: Schnee. Viel Schnee auf dem Flachdach. Zu viel. Und als wir uns dann mit dem Auto in einer langen Blechkarawane langsam um das Haus herumschieben, haben die Jungs viel Zeit, die Männer zu beobachten, die mit winzigen Schneeschaufeln kleine Schneehäufchen von dem riesigen Dach in die Tiefe werfen.

Vielleicht sollten die einfach auf den Frühling warten – das dürfte wohl genauso lange dauern wie das Freischippen des Daches.

Lagebericht.

Unsere Weihnachtstage waren so geruhsam und schön wie lange nicht. Zum ersten Mal seit Jahren ohne jegliche Krankheiten (von Kehlkopf- bis Lungenentzündung war in den letzten vier Jahren alles dabei).

Am Heiligabend war der Gottesdienst schon um 15 Uhr angesetzt – so früh, dachte ich vorher. Dann findet ja die Bescherung noch im Hellen statt. Das geht doch eigentlich nicht, das gab’s noch nie… Und dann machte gerade das den Nachmittag und Abend so richtig entspannt und schön! Nach dem Gottesdienst schlich der Beste schon mal nach Hause, um alles vorzubereiten, während ich mit den Kindern die Krippenspielsachen zusammenräumte, noch ein paar Weihnachtswünsche mit den Dorfnachbarn tauschte und dann alle drei Kinder auf dem Schlitten und in einer extragroßen Runde heimwärts zog. Zu Hause angekommen, wurde das Ausziehen und Aufhängen der nassen Schneesachen zur Geduldsprobe – und endlich, endlich durften die Kinder ins Weihnachtszimmer! Es lag nicht viel unter dem Baum, für jeden ein “Hauptgeschenk” und eine Kleinigkeit von meinem Eltern. Aber wir haben tatsächlich ins Schwarze getroffen und das freut mich sehr. Die Kinder spielten intensiv mit ihren Geschenken: Webrahmen und Zauberkasten faszinierten die Große, die Erweiterung der Holzeisenbahn inklusive batteriebetriebener Lok ließen den Mittleren nicht mehr los und der Lütte schob seinen neuen Traktor begeistert durch die Wohnung. Währenddessen hatten der Beste und ich Zeit, in Ruhe in unseren neuen Büchern zu schmökern, einen Kaffee zu trinken und dann, irgendwann, das Abendessen vorzubereiten. Keine übermüdeten Kinder, kein Stress. Einfach schön.

Und abends, als die Kinder dann in ihren Betten lagen und tatsächlich alle drei schnell eingeschlafen waren, öffneten wir die erste Flasche Wein seit Beginn der Adventszeit. Und so saßen der Beste und ich bis Mitternacht am Computer und ließen unser Familienjahr in Bildern Revue passieren – es ist immer wieder erstaunlich, wieviel in so einem Jahr passiert.

Gestern und vorgestern dann viel Draußensein im Schnee – rote Wangen, Schneekristalle bestaunen, Schlitten fahren, Iglu bauen, Buntspecht, Kleiber und Gimpel am Futterhaus beobachten. Und die weltbeste Weihnachtsgans essen, die wir je hatten: Bei 80°C über Nacht im Ofen, zarter geht’s nicht.

Zwischenstand: Bisher keine Anzeichen von Lagerkoller, was mich sehr erstaunt und noch mehr freut!

Rollenwechsel.

Maria.

Joseph.

Weihnachtsfrau.

Weihnachtsmann.

Papa vom Weihnachtsmann.

Jesus.

Bauer, dem der Stall in Bethlehem gehört.

Und nachher beim Krippenspiel noch Sternengel und Hirte.

Die Große und der Mittlere vertreiben sich die lange Zeit bis zum Abend mit Identitätswechseln im Halbstundentakt.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest Ihnen allen – Ruhe, Frieden, Begegnung, Licht und dass das alles nicht unter Geschenkpapier vergraben wird!

Auf der Suche nach Weihnachten.

Der Beste hat heute seinen ersten Urlaubstag, der Mittlere ist schon seit Montag zu Hause, nur die Große musste heute früh noch mal raus und zur Schule. Vor uns liegen zehn Tage Weihnachtsferien. Das zweite Weihnachten hier im neuen Zuhause, das sich für mich noch immer anfühlt wie eine kleine Insel mit fünf Gestrandeten in einem unbekannten, fremden Ozean. Ich freue mich darauf, dass wir alles in Ruhe angehen können, morgens zwar früh geweckt werden, aber eben nicht gleich aufstehen müssen. Darauf, vielleicht auch mal ein Stündchen für mich zu haben, wenn der Beste mal die Kinder allein bespaßt.

Ich freue mich auf unsere Familienzeit – und ich weiß, dass mich spätestens am zweiten Feiertag der Lagerkoller packen wird.

Ich frage mich, wie ich mir Weihnachten eigentlich wünsche?

Ich denke an ein Weihnachten, dass ich mit einem guten Freund und vielen fremden Menschen auf dem Hof eines Musikers verbrachte. Es wurde gesungen, getanzt, auf allen möglichen und unmöglichen Instrumenten musiziert. Jeder hatte etwas zum Essen und Trinken mitgebracht und eine Kleinigkeit, um den gemeinsam aufgestellten Baum zu schmücken. Überall wuselten Kinder umher, jeder trug dazu bei, dass es ein fröhliches, wärmendes Fest wurde. Überall saßen Menschen – an der langen Tafel in großer Runde die Weihnachtsgeschichte lesend, in Ecken zu zweit, zu dritt in Gespräche vertieft. Bis weit in die Nacht saßen wir da, zwischendurch gingen wir hinaus in den Schnee, schauten in den Sternenhimmel und ich fühlte mich gut aufgehoben in diesem bunten Haufen. Eine Bescherung gab es auch. Aber die wurde zur Nebensache, selbst für die Kinder, die lieber weiter miteinander spielten, die Ziegen draußen fütterten und Holz für den Ofen hereinschleppten.

Dieses Weihnachten wird mir jedes Jahr auf’s neue gegenwärtig. Und ich wünsche mir, irgendwann wieder so einen Heiligen Abend zu erleben. Mit meiner Familie. Und mit Freunden. Und mit Fremden.

[Edit: Das ganze könnte man als Undankbarkeit und Unzufriedenheit missverstehen. Aber das bin ich nicht! Ich bin dankbar für das, was ich habe, was ich leben darf - sehr sogar. Und dennoch: Das Suchen, das Sehnen bleibt - nach meinem, nach unserem Weg.]

 

 

Mein Häuschen ist nicht ganz gerade.

Bei uns steht ein ähnlich windschiefes Häuschen wie hier. Die Dekogummibären und -zuckerteilchen werden immer weniger und auch den Zuckerkitt nagen die Kinder aus den Ritzen. Ich erwarte also den Zusammensturz in wenigen Stunden, Hänsel und Gretel und die böse Hexe sind schon mal vorsorglich vor die Tür getreten. Ich befürchte aber, die drei werden am Ende auch noch verspeist.

Knusper, knusper knäuschen...

 

 

Entdeckung.

Nicht schön, wenn man hinter Bücherregalen, Betten und noch immer unausgepackten Umzugskisten große, schwarze Schimmelflecken an den Wänden entdeckt. Das heißt also: Sämtliche Außenwände müssen frei bleiben, damit Luft ran kommt. Das sieht jetzt alles etwas, ähm, unausgewogen aus. Aber die dünnen, kalten Wände lassen uns keine andere Wahl. Und auf dem Plan für’s neue Jahr steht dann also Schimmelsanierung. Ich freu’ mich schon drauf :-P

Inkonsequenz.

Das könnte man mir jetzt vorwerfen.

Erst mit wehenden Fahnen das Feld räumen, dann klammheimlich wieder auftauchen.

Aber so ist es: Ich vermisse mein Blog. Mir fehlt dieser kleine Raum, der mir gehört. Auch wenn ich hier nicht schreiben kann, wie es in meinem Kopf wirbelt, einiges, vieles der Zensur zum Opfer fällt, ist es doch mein kleiner Rückzugsort geworden. Der mir, nachdem ich hier meinen Abschied nahm, einfach fehlte.

Und so wage ich also einen “Neustart”. Ich weiß noch nicht recht, wie er sich gestalten wird. Aber ich merke doch, dass sich das “Wieder schreiben dürfen” gut anfühlt.