Draußen stürmt und regnet es aus Eimern und die Temperaturen erreichen gerade so den zweistelligen Bereich – Passend dazu liegt im Briefkasten der erste Herbst/Winterkatalog…
Archiv für den Monat Juni 2011
Freier Abend.
Während der Beste die Kinder zähmte, machte ich mich vorhin mitten im dunkelsten Gewittersturm auf zu einem Konzert. Während des ersten Liedes wurde mir bewusst, dass es für mich tatsächlich das erste Konzert seit fünf(!) Jahren ist und ich genoss die Musik gleich noch mehr. Und was für Musik! Klezmer, jiddische Lieder, russiche, mazedonische, rumänische Tänze und noch viel mehr. Mit ganz viel Herz und Seele – und gut für Herz und Seele!
[Notiz an mich: Sowas sollte ich jetzt öfter machen]
Ich könnte darüber schreiben,
- dass ich seit einer Woche mit den Kindern allein bin, weil der Beste sich mal wieder irgendwo weiterbildet
- dass er das Auto hiergelassen hat und ich jeden Tag den Mittleren zum Kindergarten bringe
- dass ich dann mit dem Lütten zu Hause werkele und mich nach dem Mittagsschlaf mit ihm auf den Weg mache, um den Mittleren und die Große wieder einzusammeln
- dass wir dann gern mal ein Eis essen fahren oder Eis kaufen und mit Erdbeeren aus unserem Garten verputzen
- dass sich durch das Autofahren ganz neue Welten öffnen – und sei es nur, dass ich den Tagen ohne den Besten nicht mehr ausgeliefert bin, weil ich hier wegkomme und mich nicht eingesperrt fühle
- dass ich am Montag ein ziemlich mysteriös zustande gekommenes Vorstellungsgespräch habe (plötzlich will mich der Chef sprechen, dem ich zu wenig Berufserfahrung hatte, und der Teamleiterin, die sich so für mich eingesetzt hatte, wurde in der Probezeit gekündigt – keine Ahnung, was ich davon halten soll.)
Aber irgendwie habe ich zur Zeit keine große Lust für viele Worte…
Doofe Rechnung.
Wieder eine Absage. Und wieder steht mir meine fehlende Berufserfahrung im Weg.
Tja, Leute, ich habe in den letzten Jahren die Kinder erzogen, die irgendwann mal Eure Rente verdienen werden.
Blöd nur, dass ich selbst dann nichts davon haben werde…
Große Fahrt.
Heute früh um halb sechs aufgestanden. Der Großen Brote geschmiert und Kakao gekocht. Und sie dann mit vielen Küssen und einem Kreuz auf die Stirn verabschiedet.
In einer Stunde wird sie in Berlin sein und dort am Busbahnhof von ihrem Papa abgeholt werden. Und sie wird stolz sein auf sich und auf diese erste große Fahrt allein.
Postwendend.
Drei Wochen hatte ich mich, von Tag zu Tag sicherer werdend, ans Autofahren herangetastet. Konnte die Kinder abholen, einkaufen fahren und ein Stück mehr zur Familienorganisation beitragen.
Dass mich das Erlebte vom Mittwoch doch ziemlich getroffen hat, ahnte ich schon, auch wenn ich nicht direkt in das dunkle Loch fiel, das ich insgeheim befürchtete.
Am Samstag erwischte es mich dann doch eiskalt: Eine Panikattacke beim Fahren mit Herzrasen, Atemnot und völliger Blockade – mitten auf der Autobahn. Der Beste musste das Lenkrad übernehmen, uns auf den Seitenstreifen lenken und langsam ausrollen lassen. Es ist nichts passiert, Gott sei Dank.
So fragil alles.
Aus der Jobtraum.
Tja, alles sah so gut aus. Ein nettes Team, in dem ich mich in den zwei Probearbeitstagen sehr wohl gefühlt habe. Wir haben schon angefangen, gemeinsam Ideen zu spinnen, Arbeitszeiten und Aufgaben zu verteilen. Immer wieder kam die Versicherung, dass man sich freut, mich da zu haben und dass ich gut in die Position passe.
Gestern dann der eigentlich erste offizielle Arbeitstag. Den Arbeitsvertrag hatte ich immer noch nicht, den musste noch der “große Chef”, der immer nur als Name herumgeisterte, unterschreiben. Und der ließ gestern nachmittag, nachdem ich mich einen Tag schon “in Arbeit” fühlte, ausrichten: Ach ne, die Frau hat ja gar keine Berufserfahrung. Das will ich nicht.
Mir klappte der Unterkiefer runter und als ich dann kurz darauf buchstäblich auf der Straße stand, liefen mir die Tränen nur so über’s Gesicht.
Die Teamleiterin meinte noch, sie wolle sich weiterhin dafür einsetzen und den Chef umstimmen, dass ich die Stelle bekomme, weil sie und das Team mich dort haben wollen.
Aber, nein danke! Das ist kein Zustand, unter dem ich arbeiten will.
Als ich danach den Mittleren vom Kindergarten abholte, noch mit roten Augen, und er mir freudestrahlend in die Arme stürzte, da dachte ich: So ein Geschenk und du da, in deinem Chefsessel, du kannst mir gar nichts.
Und auch wenn ich schlecht und kurz geschlafen habe heute nacht, war es doch ein wunderbare Erfahrung, nachts um drei mit dem Besten im Bett zu liegen, einander zu halten und zu reden, bis es hell wird.
[traurig bin ich trotzdem]