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Heute Nacht, da lag ich so wach und fühlte in mir zum ersten Mal ganz bewusst so eine ganz große, ruhige Freude darauf, dass dieses kleine unbekannte Wesen, das da in mir turnt, bald in meinen Armen liegen wird.
Danke für Eure Kommentare auf mein letztes post! Ihr habt ja so recht. Und heute merke ich wieder: Wenn ich es schaffe loszulassen und dieser Leere Raum zu geben, statt sie zu bekämpfen und mich ihrer zu schämen, wächst da plötzlich etwas – Gedanken, Freude und ohne es zu merken “passiert” dann sogar etwas, mache ich etwas, wozu ich mich vorher nicht aufraffen konnte. Ganz von allein…
Wenn plötzlich wieder die ganze Familie in Schule, Arbeit, Kindergarten ist und ich nach zwei Wochen Dauerkrankenlager hier ab acht Uhr allein zu Hause bin, hätte ich eigentlich endlich die herbeigesehnte Zeit, all’ das zu tun, was in diesen zwei Wochen liegengeblieben ist oder was ich so gern gemacht hätte, wenn ich irgendwo ein Zeitlöchlein gefunden hätte.
Und was mache ich?
Nichts! Als ob mich diese plötzliche, riesige Zeitblase gefangen hält und lähmt. Irgendetwas in mir blockiert, ich weiß nur nicht, was.
Trägheit? Dummheit? Faulheit?
Es ist ein Phänomen, dass ich schon so oft an mir beobachtet habe und dass ich einfach nicht schaffe, zu überwinden: Wenn ich keine Zeit habe, weil die Familie um mich herumwuselt und mich in Beschlag nimmt, sehne ich sie mir herbei, habe Ideen und glaube, die würde ich dann alle umsetzen.
Wenn ich Zeit habe, dann geht gar nichts. Ich kann mich zu nichts aufraffen, nichts anfangen und ärgere mich am Ende solcher Tage maßlos über mein eigenes Unvermögen und die sinnlos vertrödelte (Lebens)zeit.
Seltsam. Und anstrengend, weil unbefriedigend.
Morgen beginnt schon die Fastenzeit.
Und ich bin bisher noch nicht dazu gekommen, mich in Ruhe damit zu beschäftigen, wie ich diese sieben Wochen in diesem Jahr für mich gestalten will. Ein paar vage Gedanken gibt es in mir, einiges drängt regelrecht. Aber es gelingt mir im allgemeinen Familien-Krankheits-Niealleinmitmir-Trubel nicht, mich wirklich zu sammeln und zu mir zu kommen und das ganze klar für mich zu formulieren, worum es mir geht. Abends, wenn die Kinder endlich, endlich schlafen und ich bis zur Nachtschicht ein bisschen Ruhe hätte, bin ich nur noch müde.
Es ist anstrengend, momentan. Und ich bin traurig, dass ich morgen so unvorbereitet in die Fastenzeit gehe. Die Wellen schlagen gerade über mir zusammen – ich versuche nur irgendwie, nicht unterzugehen. Mehr schlecht, als recht.
Suboptimal würde man diesen Zustand wohl neudeutsch beschreiben…
Der Mann fiebert und hütet das Bett.
Die Große k.otzt.
Der Mittlere hat nach einem Fieberwochenende Ausschlag, der aussieht wie Windpocken.
Der Lütte und ich halten die Stellung, auch wenn mir gerade eher nach Wegrennen ist.
Jedenfalls hoffe ich, dass es irgendwie wird – das Babyzimmer nämlich. Momentan sieht es noch so aus (das war mal unser Abstell-, Bücher-, Nähtisch-, Krimskramszimmer – vollgestellt, aber wenig genutzt, da bis vor kurzem Durchgangszimmer zum Schlafzimmer. Jetzt ist die Wand zu und gelb und das Zimmerchen endlich wirklich nutzbar…)
Klamottenkisten stapeln sich, die habe ich in den letzten Tagen durchsortiert und jetzt harren hier zwei große Wäscheschüsseln voll Zwergenzeug darauf, endlich ein freies Plätzchen im Waschplan zu ergattern. Die Malersachen müssten auch mal weggeräumt werden, ein Regal noch ausgeräumt und umgebaut. Ach ja, und ein Bett wollten wir auch noch bauen, damit einer von uns nächtens mal eine Schlafauszeit vom Baby nehmen kann. Das hat sich bei den Großen schon bewährt, dass nicht immer beide Eltern Nachtschicht schieben mussten. Wickeltisch und Kommode müssen aus dem Jungszimmer auch noch hier herüber wandern. Und die Wärmelampe gehört an die Wand, sonst müsste das Würmchen jämmerlich frieren in unserem dünnhäutigen Haus.
Nachts liege ich mit unregelmäßigen, aber spürbaren Wehen im Bett, kann nicht mehr einschlafen und habe plötzlich wilde Wachträume von einem kranken Kind, von Hausbränden und Unfällen.
Morgens will ich aufstehen. Ich hoffe, dass ein kalte Dusche mich wieder ein bisschen erdet.
Aber: Das Wasser ist eingefroren, nichts geht mehr, teilt mir der Mann mit.
Und während der Mann systematisch überlegt, was zu tun ist und planvoll nach einer Lösung sucht, werde ich von Sekunde zu Sekunde kopfloser, bis ich plötzlich heulend auf dem Sofa sitze und nur noch Angst vor allem habe.
Vor all der Verantwortung.
Vor meiner Schwäche.
Vor meiner Hilflosigkeit.
Vor mir selbst.
(Mittlerweile läuft das Wasser wieder. Und mir hat geholfen, mit der Großen ein bisschen Ordnung in ihr Chaoszimmer zu bringen – auch wenn währenddessen die Jungs unbemerkt ihr Zimmer auf den Kopf stellen und in der Küche eine Vanillezucker-Oregano-Schlacht veranstalten…)
Damit es hier nicht allzu still wird, eine kleiner Zwischenpiep von mir.
Irgendwie kann ich mich zur Zeit zu nichts so richtig aufraffen und so gibt es auch eher wenig zu erzählen (und das, was zu erzählen wäre, darf ich nicht erzählen wegen innerfamiliärer Zensur)
Ich sehne mittlerweile das Ende der Schwangerschaft herbei – einfach, weil ich so unbeweglich und träge geworden bin… Das ist neu für mich – bei den drei Großen war ich bis zum Schluss relativ wendig, jetzt komme ich mir vor wie ein Sattelschlepper beim Wenden in einer engen Seitengasse, sowohl körperlich als auch geistig.
Aber bevor das Würmchen tatsächlich kommt, müsste mir mal noch jemand verraten, wo unsere Babyklamottenkisten hin sind. Ich bin mir eigentlich sicher, dass sie unseren Umzug von der großen Stadt ins kleine Dorf mitgemacht haben, nur kann ich sie nicht finden (und suchen auf einem dunklen, -18°C kalten Dachboden ist eher unlustig). Ich hoffe mal, ich habe nicht doch alles weggegeben vor unserem Umzug – das wäre echt ziemlich blöd (aber nicht ganz unlogisch, sollte der Lütte doch eigentlich der Kleinste bleiben
).

