35 – Ich gehe jetzt also straff auf die 40 zu
Archiv für den Monat August 2012
Getauft.
“Deine erste Mahlzeit als Christenmensch”, sagte ich augenzwinkernd zum Frühlingsmädchen, als ich mich mit ihr nach ihrer Taufe zum Stillen niederließ.
Stürmisch war es. Die Wolken flogen über unsere dachlose Kirche hinweg und der Wind zerrte und zog an Jacken, Blumen und Kreuzen. Aber uns konnte nicht kalt werden, wurden wir doch gewärmt vom Zusammensein mit lieben Menschen. Von guten Gesprächen. Von entspannter Stimmung und ebensolchen Kindern.
Ein rundes Wochenende.
“Es soll meine ganze Freude sein, ihnen Gutes zu tun, und ich will sie in diesem Lande einpflanzen, ganz gewiss, von ganzem Herzen und von ganzer Seele.” Jer. 32, 41
Geschenk.
Mein Vater hat immer viel mit mir gesungen. Beim Wandern, auf langen Autofahrten, beim Pilzesammeln oder am Strand beim Baden und Sandburgen bauen. Volkslieder sangen wir und ich konnte schon sehr früh sehr viele davon singen (und wenn uns beim Wandern ältere Leute begegneten, dann freute ich mich und war stolz darauf, wenn die ganz ungläubig schauten, dass ein Kind “so etwas” kennt) Das “Heideröslein” liebte ich, “Ännchen von Tharau”, “Die Lorelei”, “Es waren zwei Königskinder”, “Ade nun zur guten Nacht”, “Kein schöner Land in dieser Zeit”.
Gestern, da war uns wieder ein Tag mit meinem Vater geschenkt. Bis zum Abend konnten wir zusammen an einem See sein, den Kindern beim Spielen zuschauen. Miteinander Reden. Schweigen. Und weinen.
Ich saß mit meinem Vater auf einer Bank, schaute über den glänzenden See und streichelte seinen Rücken, der so klein und dünn geworden ist. Und als wir mit dem Frühlingsmädchen auf einer Decke lagen, mein Vater sie mit seiner Hand hielt und streichelte, da sangen wir gemeinsam – so wie früher und doch so anders.
Ich bin tief, tief dankbar für diesen Tag. Er trägt die Traurigkeit auf sanften, liebevollen Händen.
Sonntagsfreuden.
Gegen acht Uhr aufwachen, weil die Sonne durch die Schlafzimmervorhänge blinzelt. Die großen Geschwister in ihrem Zimmer lachen und spielen hören, während das Frühlingsmädchen im Nebenzimmer noch selig schlummert – so richtig ausgeschlafen sein, ein wunderbares Gefühl!
Kinoabend.
Es ist schon sehr, sehr lange her, dass der Mann und ich zusammen im Kino waren. Und realistisch betrachtet, wird das auch noch eine Weile so bleiben. Weil wir aber beide gerne gute Filme schauen, haben wir uns das Kino nach Hause geholt: Vor einiger Zeit kauften wir uns einen Beamer und einen Blu-ray-Player (wir haben auch mal ausgerechnet, wie oft wir dafür ins Kino gehen könnten
), ich habe zwei große, weiße Bettlaken aneinandergenäht, die wir im Zimmer aufspannen können. Und dann bestellen wir uns die Filme, die wir gern sehen möchten, einfach nach Hause, nämlich hier . Das ist für uns eine tolle Sache – so können wir die Filme, die wir nicht im Kino schauen konnten oder Filme, die hier im Multiplex-Kino der nahen kleinen Großstadt gar nicht erst gespielt werden oder auch Filme, die wir vor langer Zeit mal sahen und die wir gern nochmal anschauen wollen oder die uns per “Geheimtipp” erreichen, in unser kleines Heimkino holen. Vorstellungsbeginn ist, wenn die Kinder schlafen und zwischendurch können wir auch einfach mal die Pausetaste drücken, wenn doch noch mal ein Kind auf’s Klo muss oder das Frühlingsmädchen Hunger hat. Also ein Kino, das ganz an unsere Familienbedürfnisse angepasst ist
Hier mal eine kleine Liste der Filme, die mich in den letzten Monaten besonders beeindruckten:
- Von Menschen und Göttern.
- Der Baader-Meinhof-Komplex.
- Pina.
- Belgrad Radio Taxi.
- Krabat.
- Soul Kitchen.
- Inside Job.
- Das weiße Band.
- Plastic Planet.
Und weil auch unsere Kinder gerne mal einen Film schauen, wir hier aber keinen Fernseher einführen wollen, gibt es für sie auch ab und an was auf der großen Leinwand zu sehen. Besonders gern schauen sie die Naturfilme aus der BBC-Serie “Planet Earth”. Auch auf Arte werden immer mal wieder beeindruckende Naturfilme gezeigt, die wir am PC mitschneiden können und dann alle gemeinsam anschauen.
Gestern so.
Wenn die ganze Familie einen Vormittag lang durch eine Sauerkirschplantage pilgert, finden sich schnell mal 25 Kilo Kirschen in Eimern und Kisten.
Nach dem Entsteinen (weil wir nur einen Entsteiner haben, den meistens die Kinder in Beschlag nahmen, bediente ich mich einer Haarnadel – das geht ganz wunderbar, auch wenn es nach 15 Kilo dann nicht mehr ganz so viel Spaß macht
)
mussten die Kirschen natürlich schnell verarbeitet werden – zu Marmelade (mit und ohne Pfefferminze), zu Kompott (mit und ohne Steinen) und zu Kuchen.
Ein schöner Familien-Sommertag ganz im Zeichen der Sauerkirsche.




