Zur Ruhe kommen.

Eine anstrengende Woche liegt hinter mir. Weil viele meiner Kolleginnen krank sind, mussten wir verbleibenden vier (von neun) den Laden allein schmeißen. Nur stundenweise bekamen wir Unterstützung aus einer anderen Einrichtung unseres Trägers. Für mich hieß das jeden Tag Dienst von sieben Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags und in diesen Stunden oft allein mit neun Ein- bis Zweijährigen… Der Kollegin in der Nachbargruppe ging es ähnlich und wir versuchten, uns so gut es ging zu unterstützen. Während des Mittagsschlafes übernahm sie die Aufsicht für beide Gruppen und ich konnte im Büro einige liegengebliebene Dinge abarbeiten, denn auch unsere Leiterin ist seit zwei Wochen krank. So anstrengend diese Tage auch waren, sie haben mir auch auf seltsame Weise Kraft gegeben: Ich weiß, was ich schaffen kann. Ich habe mich darin geübt, die Dinge ruhig und ohne Stress anzugehen. Ich war darauf konzentriert, jedem Kind in kleinen Momenten ganz persönlich und individuell zu begegnen. Und ich habe darauf geachtet, mir selbst kleine Lichtblicke zu verschaffen – und sei es nur das Genießen des Sonnenlichtes während die Kinder im Garten spielen.

Jetzt ist Wochenende und wir bereiten uns auf den ersten Advent vor. Die Herrnhuther Sterne hängen und warten darauf, morgen zum ersten Mal zu strahlen. Den Adventskranz wird der Mann heute abend noch binden und morgen möchte ich mit den Kindern die Wunschzettel basteln.

Ich hoffe sehr, dass die nächsten Wochen ein bisschen weniger anstrengend werden und wir Zeit finden zum beieinander sein, zum bei sich sein. Zum Ankommen im Stall in Bethlehem.

Mittwoch.

Personalnotstand und fast vollzählig anwesende Kinder machen den Arbeitstag sehr intensiv und anstrengend. Als ich nach Dienstschluss im Auto sitze, freue ich mich auf einen terminfreien Nachmittag. Ich hole das Frühlingsmädchen aus dem Kindergarten ab und zu Hause werden wir freudig empfangen. Während die Jungs draußen herumstromern, möchte das Frühlingsmädchen mit mir auf dem Sofa kuscheln. Sie holt ein paar Bücher und so machen wir es uns gemütlich. Meinen ursprünglichen Wunsch, noch ein bisschen im Garten in der Sonne zu werkeln, stelle ich bewusst zurück und konzentriere mich auf diese schöne Zweisamkeit mit meiner Jüngsten. Das tut gut, denn so kann ich das Hier und Jetzt annehmen und hänge nicht in Gedanken bei meinem unerfüllten Wunsch.

Kurz vor fünf kommt die große Tochter aus der Schule. Wir erzählen ein bisschen, die Kinder stillen ihren Nachmittagshunger und wir basteln, so wie wir es uns gestern vorgenommen hatten, noch zwei Laternen. Als wir damit fertig sind, ist es dunkel und ich mache mich mit meinen Vieren und unserem Hund auf den Weg in die Finsternis- die  Kerzen in den Laternen leuchten uns. Über uns steht ein grandioser Sternenhimmel und als die Kinder anfangen, Lieder zu singen, bin ich einfach glücklich und dankbar.

Vor dem Losgehen habe ich den Küchenofen angefeuert und als wir wieder nach Hause kommen, ist es mollig warm. Der Mann kommt vom Holzmachen rein und wir essen alle gemeinsam zu Abend.

Nachdem die Kinder in den Betten verschwunden sind, besprechen der Mann und ich noch einige Termine. Dann ziehe ich mich ein bisschen zurück und mache ein paar Rückenübungen. Ein anstrengender, erfüllter Tag geht zu Ende.

Dienstag.

Heute erzähle ich nur davon, wie ich meine Zeit nach Dienstschluss verbrachte:

Ich setze mich ins Auto und fahre direkt nach Hause. Hier lade ich die Jungs ins Auto und wir fahren weiter in die nahegelegene Kleinstadt. Seit einiger Zeit arbeite ich in einem Ehrenamtskreis in der Flüchtlingshilfe mit und heute treffen wir uns mit Kindern in der Gemeinschaftsunterkunft, um gemeinsam Laternen zu basteln.

Anfangs sind nur drei Kinder da, die aber schon eifrig bei der Sache sind, als wir eintreffen. Nach und nach füllt sich der Raum und innerhalb von zwei Stunden unterstützen wir drei Ehrenamtlichen 15 Kinder aus verschiedenen Ländern beim Zeichnen, Schneiden und Kleben. Immer mal wieder schauen auch andere Bewohner herein. Eine Frau, deren Kinder Laternen basteln, stellt sich an den Tisch, nimmt sich Papier, Schere und Kleber und gestaltet ganz konzentriert ein wunderschönes Blumenornament. Man sieht, dass sie das nicht zum ersten Mal macht und die Freude und Liebe, mit der sie bei ihrer Arbeit ist, ist deutlich zu spüren. Ihre Kinder strahlen über die selbstgemachten Laternen, die Mutter über dieses, ihr Bild. Das ist das Eindrücklichste, was ich aus diesen intensiven zwei Stunden mit nach Hause nehme. Und meine beiden Jungs, die ihre gebastelten Laternen verschenken an Kinder, die nur zuschauen und zum Mitmachen noch zu scheu sind.

Gegen 18 Uhr sind wir wieder daheim, auch die große Tochter kommt vom Konfi-Unterrricht nach Hause und wir essen alle gemeinsam Abendbrot. Danach macht der Mann sich noch einmal auf, denn er hat noch einen Termin. Ich bringe die Kinder ins Bett und freue mich auf mein eigenes, in das ich jetzt bald sinken werde😉

Montag.

Ein langer Tag war es heute:

Um 5.45 Uhr klingelt mein Wecker. Ich stehe auf und gehe ins Bad. Ich muss mich ein bisschen beeilen, denn kurz nach sechs muss ich die Jungs wecken und da will ich mit meinem Kram fertig sein. Zwei müde Schulkinder aus den warmen Betten hieven, immer mal wieder motivieren beim Anziehen, möglichst keinen Stress machen (und trotzdem auf die Zeit achten)…da ist schon morgens volle Konzentration gefragt. 6.35 Uhr schwingen sich die Jungs auf ihre Fahrräder und radeln ins Dorf zur Bushaltestelle. Die große Tochter macht ihr Ding morgens komplett selbständig – sehr, sehr hilfreich! Das Frühlingsmädchen kommt die Treppe heruntergetappelt – zügiges Anziehen, ein bisschen was zu essen in die Hand und dann geht’s los Richtung Arbeit und Kindergarten (Den Mann und das Frühlingsmädchen setze ich unterwegs am Kindergarten ab, so muss er nur eine Strecke laufen).

Mein Dienst beginnt 7.15 Uhr. Heute habe ich schon 7.30 Uhr ein Entwicklungsgespräch mit Eltern und Frühförderpädagogin. Ich richte den Raum ein bisschen her, damit das Gespräch in ruhiger, angenehmer Atmosphäre stattfinden kann.

Nach dem Gespräch gehe ich in den normalen Gruppendienst. In beiden großen Gruppen sind heute jeweils 20 Kinder da und weil es montags sowieso immer wuseliger als an anderen Tagen ist, gehen wir möglichst bald raus in den Garten zum Durchlüften für Kinder und Erzieherinnen.Dann Mittagessen, während des Mittagsschlafes ein bisschen Vorbereitungszeit für mich und nach der Vesper um 14.30 Uhr habe ich erst einmal Feierabend.

Aber nur für anderthalb Stunden, denn von 16 bis 18 Uhr steht noch eine Teamweiterbildung auf dem Programm. So fahre ich also in die nahegelegene Kleinstadt, kaufe ein bisschen ein und dann nutze ich die restliche dreiviertel Stunde für einen Waldspaziergang. Das hilft, wieder ein wenig munterer und aufnahmefähig für die Weiterbildung zu werden.

18.45 Uhr bin ich wieder zu Hause. Die Kinder begrüßen mich stürmisch, der Abendbrottisch ist schon gedeckt und so setzen wir uns alle sechs an den Tisch, essen und erzählen von unserem Tag.

Danach machen sich die beiden Großen allein bettfertig, die beiden Kleineren brauchen dabei noch Begleitung – das Frühlingsmädchen läuft in dieser halben Stunde auch gern nochmal zur Höchstform auf und fordert uns damit heraus😉

Wir lesen ein Märchen vor und kurz vor acht liegen die Jungs und das Frühlingsmädchen in ihren Betten. Ich gehe noch zur großen Tochter und wir sprechen das Gedicht durch, das sie morgen vortragen soll (und ich merke wieder, wie gern ich selbst Gedichte lese und aufsage).

20.30 Uhr ist Feierabend (das Frühlingsmädchen kommt nochmal zu uns getappelt, lässt sich aber zum Glück ohne viel TamTam wieder ins Bett bringen). Jetzt noch einen Tee und ein bisschen Schokolade und dann falle ich wohl sehr, sehr müde ins Bett…

Sonntag.

Es ist nicht leicht, wieder in so etwas wie einen „Schreibfluss“ zu kommen. Immer mal wieder denke ich: Das solltest Du aufschreiben. Und tu’s dann nicht, weil die Ruhe fehlt oder der Stift oder das Notebook. Jetzt habe ich mir überlegt, einfach mal, ohne groß herumzugrübeln und zu reflektieren, eine Woche lang zu posten, wie ich so meine Lebenszeit verbringe. Heute geht’s also los, mit einem ganz normalen Sonntag:

Der Mann steht schon kurz nach sieben mit dem großen Sohn auf. Der hat heute Chor-Dienst. Das heißt, eine Stunde vor Gottesdienstbeginn in Chorkleidung zum Einsingen da sein. Alle zwei Wochen ist das so und zum Glück können wir uns mit dem Fahren mit einer Familie in der Nähe abwechseln, denn die Fahrt in die Stadt dauert eine dreiviertel Stunde.

Ich bleibe derweil noch ein bisschen im Bett. Das Frühlingsmädchen kuschelt sich zu mir und wir lesen einige Bücher vor.

Unser ausgiebiges, geruhsames Frühstück genieße ich – unter der Woche „frühstücke“ ich bei der Arbeit in meiner Kindergruppe, das heißt: zwischendurch mal schnell vom Brot abbeißen und einen Schluck lauwarmen Kaffee trinken😉

Der Vormittag vergeht zwischen Aufräumen in der Küche, Umgraben im Garten, über die Wärme der Sonne staunen und mich über die Farben um mich herum freuen. Zwischendurch klimpere ich auf dem Klavier herum – spielen kann ich nicht, aber es tut gut, einfach ein paar Töne klingen zu lassen und zu horchen, was harmonisch klingt. Unser Chorjunge übt seit ein paar Wochen – sein Ziel: Orgelspielen lernen.

Ich erwische die drei „Kleinen“ dabei, wie sie sich die vom Frühstück übriggebliebenen Brötchen dick mit Schokocreme bestrichen schmecken lassen – das Mittagessen können wir jetzt also allein für uns drei „Große“ planen😉 Es gibt Hirse mit Gemüse, das ist sowieso eher nach unserem „erwachsenen“ Geschmack und hätte die Kinder wohl nicht vom Hocker gerissen.

Auch der Nachmittag ist gefüllt mit kleinen Arbeiten hier und da – möglichst viel in der Sonne, denn kurz nach vier verschwindet die um diese Jahreszeit hinterm Berg. Dann wird es merklich kühler und oft auch feucht, weil wir hier im Tal direkt an einem Bach wohnen – die Lage unseres Hofes erinnert daran, dass er früher einmal eine Wassermühle beherbergte.

Als es anfängt, dunkel zu werden, macht der Mann ein Feuer auf der Wiese hinter der Scheune. Währenddessen zaubert die große Tochter in der Küche Bratäpfel mit Vanillesauce und die lassen wir uns draußen im Feuerschein schmecken. Den Kindern reicht das noch nicht: Sie wünschen sich Würstchen vom Feuer und so verlegen wir das Abendessen kurzerhand nach draußen. Als alle satt sind, singen wir noch gemeinsam ein Lied, dann packen wir alles zusammen und gehen ins Haus.

Die drei Kleinen hüpfen in die Badewanne und während der Mann die Wasserschlacht im Auge behält, kann ich den Brotteig fertigkneten, den ich gestern abend schon angesetzt habe.

Als Gute-Nacht-Geschichte gibt’s heute die „Sendung mit der Maus“ – unser Beamer zaubert Kinoatmosphäre für die Kinder.

Während das Brot bäckt, mache ich ein paar Rücken-Kräftigungs-Übungen. Die habe ich am Freitag bei einem Fachtag gelernt, bei dem es um positive Stressbewältigung und Selbstfürsorge für ErzieherInnen ging. Ein Thema, das mich gerade sehr beschäftigt und an dem ich unbedingt weiterarbeiten will.

Nachher ziehe ich das Brot aus dem Ofen und dann ist es Zeit, ins Bett zu gehen. Sonst ist die Nacht zu kurz😉

Neustart.

Immer mal wieder schleiche ich um „meine“ Seite hier herum. Überlege, wieder zu schreiben. Und logge mich dann doch wieder unverrichteter Dinge aus.

Jetzt also ein erster Eintrag – irgendwo muss man ja anfangen: Mit einem Blick in unseren Herbstgarten.

Unser Quittenbaum trägt in diesem Jahr zum ersten Mal. Man kann das Quittenbrot  riechen, wenn man unter dem Baum steht:-)

Quitten